03 Februar 2011

Auszüge.

Pinguin findet: Was für ein doppeldeutiger Titel. Auszüge aus meinem geheimen Tagebuch. Mein Geburtstag rückt nahe, und ich freue mich darauf. Aber manchmal, nachts so wie jetzt, da habe ich einfach nur Angst.


Auf einmal ist da alles vor einem wie eine Wand, auf die man zurast, und die Bremsen sind weg. GEZ. Miete. Strom. Wasser. Heizung. Essen. Transport. Ein Job. Eine Ausbildung. Ein Leben.
Es macht mir so schreckliche Angst, dass ich manchmal Nachts nicht schlafen kann.
Vielleicht denke ich deshalb so oft ans Reisen. An work-and-travel, irgendwohin fahren ohne Rückfahrschein, Geld verdienen, bis man weiterreisen kann in kleinen Etappen. So etwas wie pilgern, aber ich bin nicht sehr religiös, und es erschiene mir falsch, aus reinem Eigennutz den Weg zu gehen, auf dem so viele hoffen und glauben und beten. Interrail durch Europa, Zug fahren durch große Städte und kleine Dörfer, ohne festes Ziel, irgendwann am Strand aussteigen und schwimmen gehen und dann in die Berge und den Sonnenuntergang betrachten. [...]

Ich würde niemals alleine weggehen, niemals, nicht so. Es ist nicht so, dass ich es nicht könnte. Ich bin eigentlich recht eigenständig, ich habe nicht so schnell Heimweh. Aber manchmal eben doch. Es gibt ein paar Personen, die ich nicht ohne weiteres zurücklassen will oder kann. Ein paar Personen, um die ich mich kümmern muss, und die sich um mich kümmern, weil wir sonst einfach nicht funktionieren können so wie es ist. Und weil ich Angst habe vor dem Ungewissen und Neuen und eine Hand brauche zum festhalten, auch wenn ich fast erwachsen bin.
Ich bin bald achtzehn.
Ich bin nicht mal achtzehn.

Ich sollte nicht über solche Dinge nachdenken.
In letzter Zeit denke ich oft ans Reisen. Plane in Gedanken die Route. Packe innerlich den Koffer. Setze mich nachts ans Fenster und träume von Zügen und vorbeirasenden Lichtern. Aber ich plane immer für zwei. Ich setze Chicken in ein Auto nach Frankreich, und wir sehen Paris und sehen diesen Mann, den sie nicht kennt und der ihr Leben auswendig gelernt hat. Schleife meine beste Freundin in einen Zug und fahre ans Meer, Spanien, Italien, nur wir beide und die Sonne und der endlose Ozean. Ich denke über die Kosten für zwei Personen nach. Frage mich, wo man schlafen könnte. Lächle beim Gedanken an die Witze, die wir erzählen würden, und die Erinnerungen, die wir mitnehmen. Ich plane immer für zwei.
Ich bin schon fast erwachsen.
Ich werde das "fast" so weit dehnen, wie ich kann.

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